News
Zurück zur Übersicht
20.03.2025
Mitgliederversammlung des MSC Olching
Martin Smolinski zum neuen Vorsitzenden gewählt
Ein dreifacher, und sogar noch amtierender Weltmeister an der Spitze eines Sportvereins – ob es das außer beim MSC Olching sonst noch irgendwo gibt, oder je gegeben hat? Zur Erinnerung: Als Franz Beckenbauer Präsident des FC Bayern war, standen zwei WM-Titel in seinem Lebenslauf. Jedenfalls wurde Martin Smolinski, seines Zeichens Langbahn-Weltmeister, am Freitag zum MSCO-Vorsitzenden gewählt. Am Rande der Mitgliederversammlung erzählten er und Ulrich Brehmer von der großen Tradition des Motorsportclubs, vom „Hundsbua-Smolinski“, der früher keinen Besen anrühren wollte und von den Plänen rund um den Club. „Uli“ Brehmer ist Ehrenvorsitzender und die Vereinslegende schlechthin: Vierzig Jahre lang hatte er alle möglichen Ämter im Verein inne und 14 Jahre lang war selber erster Vorstand.
Herr Smolinski, Sie sind aktiver Rennfahrer und haben ganz nebenbei eine eigene Firma aufgebaut. Jetzt führen sie auch noch Ihren Heimatverein – das muss mit Herzblut zu tun haben?
Ganz richtig! Da steckt wahnsinnig viel Herzblut drinnen. „Ins kalte Wasser geschmissen“, hat man mich aber keineswegs: Ich habe schon lange viel im Hintergrund organisiert. Für meinen Verein war ich immer da – egal, ob es um die Bundesliga-Rennen, andere Events oder um Sponsoring ging. Unser bisheriger Sportleiter Stephan Wunderer hat einmal gesagt: „Wenn ich aufhöre, übernimmst Du meinen Posten.“ Ich bin jedoch ein Führungstyp und zielstrebig. Wenn ich etwas mache, dann mache ich es gescheit oder gar nicht. Also ist es für mich nur etwas gescheites, wenn ich ganz vorne stehe. Ich freue mich riesig auf diese neue Aktion. Auch, weil ich eine tolle Crew um mich herum haben werde und viel Erfahrung, sowie ein gutes Netzwerk mitbringe.
Herr Brehmer, wie finden Sie es denn, dass die Nummer Eins der Welt nun die Nummer Eins beim MSCO ist?
Das ist die beste Besetzung, die es für den Verein überhaupt geben kann. Das wird einen Schub geben und heuer haben wir ja unser 75-jähriges Jubiläum. Ich wünsche mir, dass der Martin noch beim 100-Jährigen unser erster Vorstand sein wird. Er hat ja einen Riesen-Anhang, viele Freunde und Fans. Auch wenn er früher ein Hundsbua war (lacht).
Martin Smolinski: (lacht) Du hast ja recht! Aber ich glaube, aus dem „Hundsbua“ ist schon was Gescheites geworden?
Ulrich Brehmer: Das ist ja das Schöne! Aber ich muss erklären, wie es war: Als wir alte Deppen am Samstag vor dem Rennen gekehrt und geputzt haben, ist der Martin mit seinem Radl rauf und runter geprescht. Und wenn ich gesagt habe: „Nimm auch mal einen Besen in die Hand“ – hat er gesagt: „Ich habe keine Zeit, ich muss trainieren.“
Deswegen können Sie Ihre Wheelies wohl so perfekt fahren, Herr Smolinski?
(schmunzelt) Das muss damit zusammenhängen! Aber Spaß beiseite: Mir geht es vor allem darum, dem Sport an sich und dem Club etwas zurück zu geben. Ich muss das wirklich sagen – auch Du Uli, hast über Epochen viele Top-Fahrer und große Namen begleitet. Aber von denen war nach der aktiven Zeit kaum jemand ehrenamtlich für seinen Stamm-Verein tätig. Als „kleiner Hosenscheißer“ habe ich beim MSCO alles gelernt, was ich gebraucht habe, um überhaupt ein erfolgreicher Rennfahrer werden zu können. Vom Uli bekam ich oft ich einen Anschiss, und vom Raimund Schön habe ich gelernt, wie man die Garage zusammenkehrt. Geschadet hat das alles nicht.
Speziell wenn es um Raimund Schön geht, haben Sie immer betont, wie sehr er Sie geprägt hat. Hat Ihr Verhältnis zu ihm auch eine Rolle gespielt, bei der Entscheidung, dass Sie sich in dieses Amt haben wählen lassen?
Definitiv! Vielleicht war es ja auch eine Eingebung von ihm: „Mach es!“ Seine Tochter Tanja hat mich auch ein bisschen bearbeitet und ich sage immer: „Vielleicht ist da oben jemand und schaut bei uns zu, wie wir das ohne ihm hier unten machen – auch solche Gedanken motivieren mich. Der Raimund war hier die Rennleiter-Legende aber auch in den letzten Jahren war er unfassbar viel im Hintergrund aktiv. Einfach um alles hat er sich gekümmert. Jedoch vor eineinhalb Jahren ist er unerwartet verstorben und hat eine riesige Lücke hinterlassen.
Wie sehen Sie denn jetzt Ihre neue Aufgabe – wo wollen Sie in nächster Zeit den Hebel ansetzen?
Wie schon erwähnt: Was jetzt auf mich zukommt, mache ich nicht erst seit gestern. So organisiere ich schon seit über zehn Jahren Trainingscamps für Kinder. Und jetzt machen wir am 5. April zum zweiten Mal das 84-Pro-Speedway-Practice – ein spezielles Training für Kinder. Innerhalb von 24 Stunden waren wir komplett ausgebucht. Den Kindern das mitzugeben, was sie für ihre Zukunft brauchen, das treib mich an. Gerne auch in Zusammenarbeit mit den anderen Olchinger Vereinen. Miteinander arbeiten und kommunizieren, das ist meine Losung.
Zeitintensiv klingt das in jedem Fall – und „nebenbei“ wollen Sie bestimmt Ihren vierten WM-Titel auf der Langbahn einheimsen?
Das wäre der Plan – ganz klar. Jedoch werden bei mir natürlich die Rennen weniger. Ich suche mir mittlerweile gut aus, wo ich fahre. Immerhin bin ich ja auch geschäftlich sehr eingespannt. Tuning von Motoren, sowie deren Wartung und Instandsetzung biete ich hauptsächlich an. Allerdings restauriere ich auch Oldtimer und wenn jemand für sein Mofa einen neuen Zylinder benötigt, dann stelle ich den auch her. Die Nachfrage ist groß, denn gute Handwerker sind ja gesucht.
Dann kämen wir zu den Wünschen für die beginnende Saison. Herr Brehmer, wie soll es mit dem MSC Olching weitergehen?
Mir liegt am Herzen, dass der Club mit seinen Mitgliedern langfristig bestehen bleibt und sich sogar erweitert. Wenn alleine schon wegen der Vorstandschaft vom Martin einige neue Mitglieder hinzu kämen, würde mich das freuen. Was mir auch sehr wichtig wäre: Dass man sehr auf die wirtschaftliche Seite achtet. Wenn man als Motorsportclub viel Geld auf dem Konto hat, dann kann das nach einer einzigen erfolglosen Veranstaltung alles weg sein. Der Martin ist aber ein Geschäftsmann – er weiß ganz gewiss, wo er hinschauen muss.
Herr Smolinski, was wünschen dann Sie sich für Ihr erstes Jahr, als MSCO-Vorsitzender?
Ich hätte gerne schönes Wetter bei unseren drei Rennwochenenden im Juni, Juli und im Oktober. Außerdem wünsche ich mir ein tolles Zusammenwirken mit der Stadt Olching, sowie ein gemeinschaftliches Verhältnis mit den umliegenden Vereinen. Wir sollten miteinander an einem Strang ziehen, denn eine Stadt lebt durch die Vereine, diese halten schließlich die Bevölkerung zusammen. Ein Ziel wäre es auch, dass wir zum 75-jährigen Jubiläum im Oktober eine besonders geile Veranstaltung haben werden. Dass dann die Bude mal wieder richtig gerockt wird, hierfür gibt es schon ein paar gute Ideen.
Erhard Wallenäffer
Zurück zur Übersicht